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2. Küster heute
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Um es zunächst einmal ganz kurz zu machen, es gibt kein schlüssiges, kein verbindliches Berufsbild für die Küster, die im Dienst einer Evangelischen Kirchengemeinde stehen. Die Besonderheit des Küsterdienstes ist , daß er ein sogenannter Erwachsenenberuf ist. Es gibt für diesen Dienst noch keine systematische Ausbildung, die für alle Evangelischen Landeskirchen bindend ist. In der Küsterordnung für die Westfälischen Küster wird lediglich gefordert, dass als Küster nur der angestellt werden soll, der eine der Küstertätigkeit dienliche Ausbildung hat. Ich habe gerade besonders Evangelische Kirchengemeinde betont, denn wären sie im Dienst der Katholischen Kirche, sähe das anders aus. Die Katholische Bischofskonferenz hat nämlich bereits 1980 für ihre Küster ein Berufsbild beschlossen, in dem ganz klar die Voraussetzungen formuliert wurden, die ein Küster zu erfüllen hat und auch die Dienste, die er leisten muß. Der Bund Europäischer Küster hat eine Broschüre herausgebracht mit dem Titel „Das Berufsbild“ Dieser Entwurf wurde zunächst gegliedert nach den Voraussetzungen für den Küsterdienst. Dort wird beschrieben, dass der Küster für die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gruppen und Kreisen gute Kontaktfähigkeit braucht. Ebenso gute Umgangsformen und Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen und Urteilskraft. Außerdem braucht er Entscheidungsfähigkeit im Rahmen seiner Aufgabenübertragung und die Fähigkeit, seine Arbeiten selbständig auszuüben. Weiter werden dann noch Eigenschaften beschrieben die ebenfalls für diesen Dienst Voraussetzung sind wie Treue, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Verschwiegenheit sowie eine christliche Lebensweise, die der Bedeutung des Dienstes entsprechen sollte. Bei der Beschreibung der Aufgaben des Küsters wird dann ausgesagt, dass er für die äußeren Voraussetzungen des gottesdienstlichen Lebens im Alltag einer Kirchengemeinde sorgt. Obwohl ein Großteil seiner Aufgaben technischen oder organisatorischen Charakter besitzt, kann seine Tätigkeit nicht von den geistlichen Bezügen christlichen Lebens getrennt werden. Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich eine Tätigkeitsbeschreibung, die auf der einen Seite ein praktisches und technisches Gewicht hat, aber ohne das Wissen um die geistlichen Grundlage nicht sinnvoll ausgeübt werden kann. Durch seine Präsenz in den Gebäuden und Anlagen der Kirchengemeinde ist der Küster Ansprechpartner für Besucher, Gäste und Gemeindeglieder. Er gibt Auskunft, übermittelt Informationen, und stimmt organisatorische Angelegenheiten ab. Er beantwortet Fragen, und steht vermittelnd und informierend zwischen Gemeindegliedern und Gemeindeleitung. Er trägt durch seinen Dienst dazu bei, dass sich die Gemeinde als Gottesfamilie mit Freude zu ihren Gottesdiensten, Veranstaltungen und Festen versammeln kann. Die Tätigkeiten werden durch eine Liste beschrieben wobei der Versuch unternommen wurde, alle Dienste des Küster aufzuzählen. Danach ist noch etwas zur Ausbildung gesagt. Nämlich dass für eine Anstellung in den Küsterdienst eine abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung ist. Diese Ausbildung sollte den Tätigkeitsbereichen des Dienstes entsprechen. Hier wurde nun bewusst eine allgemein gehaltene Formulierung gewählt, um nicht von vornherein etwas einzuschränken. Neben seiner Ausbildung wird der Küster in berufsbegleitenden Kursen für den kirchlichen Dienst ausgebildet z.B. Küsterlehrgang. Es heißt dort: In Küsterlehrgängen wird er über die praktischen, geistlichen und theologischen Bezüge seines Dienstes unterrichtet.
Und aus alledem ergibt sich, das der Küsterdienst ein geistliches Amt ist, dass unmittelbar an der Verkündigung des Wortes Gottes durch den äußeren Dienst beteiligt ist und darum nicht als Job geleistet werden kann sondern nur als Beruf aus Berufung. Das ist im übrigen weitgehend an dem Berufsbild der katholischen Schwestern und Brüdern angelehnt. Und wenn sie beide miteinander vergleichen, werden sie feststellen, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Es gibt aber doch einen wesentlichen Unterschied. Denn das katholische Küsteramt erhält die Würde und seine Bedeutung durch die unmittelbare Beziehung zum Altar. Dies steht so auch in der Dienstanweisung. Der Dienst des katholischen Küsters bezieht sich also nur auf die äußeren Dienste bei gottesdienstlichen Handlungen. Dem gegenüber haben wir in unserer Dienstanweisung eine weitergehende Fassung des Begriffes Küster. Da steht im § 1 der Küsterordnung: „Der Küster übt ein kirchliches Amt aus. Er dient und hilft der Verkündigung, insbesondere im Gottesdienst, bei Amtshandlungen und anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinde und ist für die ihm anvertrauten kirchlichen Gebäude verantwortlich.“ Hier wird also genau beschrieben, welchen Dienst der Küster verrichtet. Und wer aufmerksam gelesen hat, dem ist auch der Unterschied zu unseren Schwestern und Brüdern der katholischen Kirche aufgefallen. Ist der Küster der katholischen Kirche, und auch in der evangelischen Kirche, die Person, die ihren Dienst in der Kirche verrichtet, so formuliert die Küsterordnung und auch das geplante Berufsbild nun: „Er dient und hilft der Verkündigung, insbesondere im Gottesdienst, bei Amtshandlungen und, – jetzt kommt die Erweiterung – „bei anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinde.“ Und das sind eben die Veranstaltungen, die auch im Gemeindehaus stattfinden. Diese Formulierung trägt einer Entwicklung Rechnung, die sich seit einiger Zeit in unseren Gemeinden widerspiegelt. Waren vor einigen Jahren unsere Kirchen des Sonntags beim Gottesdienst noch gut gefüllt, so kann man heute in vielen Gemeinden die Gottesdienstbesucher schon fast an einer Hand abzählen. Aber die Besucher, die im Laufe einer Woche die Gruppen und Kreise im Gemeindehaus besuchen ist im Vergleich zu den Besuchern der Gottesdienste wesentlich höher. Es hat also eine Wandlung von einer Verkündigungskirche zu einer Begegnungskirche stattgefunden. Dieser Wandlung trägt die Anstellungsordnung dadurch Rechnung, in dem auch die als Küster bezeichnet werden, die „nur“ ein Gemeindehaus zu betreuen haben. Denn auch in der Bibelstunde, der Frauenhilfe, im Abendkreis, im Männerdienst oder wie die Gruppe auch immer heißen mag, findet ja Verkündigung statt. Insofern wird der Arbeit im Gemeindehaus in unserer Landeskirche die gleiche Bedeutung zugemessen, wie der Arbeit des Küsters in der Kirche. Wobei der Gottesdienst weiterhin die Mitte, der Mittelpunkt christlicher Gemeindearbeit bleibt. Aber der Vorbereitung und Betreuung der Gruppen und Kreise hat der Küster die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, wie dem Gottesdienstes. Dabei werden sie mir bestätigen, dass die Gemeindehäuser heute ja nicht mehr nur genutzt werden, um die Konfirmanden zu unterrichten, die Bibelstunde abzuhalten, oder der Chor eine Platz zum üben hat. Die modernen Gemeindehäuser sind mehr und mehr zu Orten der Freizeitgestaltung geworden. Ausstattung und Einrichtung entsprechen unserem Lebensstandard und unseren Ansprüchen. Die Liste ist lang, da gibt es zum Beispiel: Sitzungsräume mit Clubgarnituren und Wandvertäfelungen aus wertvollen Hölzern. Die Gemeindeküchen sind mit den modernsten Einrichtungen ausgestattet wie Schnellspülmaschine und vollautomatischer Kaffeemaschinen. Im Keller ist eine Kegelbahn. Sie werden diese Liste mit Aufzug, Klimaanlage usw. verlängern können. Aber wir wollen nicht vergessen, dass diese Einrichtungen, diese Gebäude errichtet wurden, um der Verkündigung des Wortes Gottes im Alltag Raum zu geben. Darum ist für die Menschen, die sich in diesen Räumen treffen die Atmosphäre des Hause von besonderer Bedeutung. Besen, Schrubber und Scheuereimer sind unsere Werkzeuge geworden. Doch wozu nehmen wir sie? Zur Reinigung unserer Kirchen oder Gemeindehäuser, in denen Gottesdienste, Bibelstunden oder andere Veranstaltungen der Gemeinde gehalten werden sollen. Wir Küster schaffen die erste Voraussetzung dafür, und sie ist nicht zu unterschätzen. Denn kann in einer mit Spinngewebe oder mit Staub belegten Kirche, einem verschmutzen, unaufgeräumten Saal Dienst zur Ehre Gottes gehalten werden? Es ist eigenartig, ob man allein die Kirche sauber macht, oder den Saal umstellt, dann gehen die Gedanken zum nächsten Gottesdienst. Wir kennen die Gemeinde. Oft beim Putzen der Plätze überlegen wir, hier sitzt Frau Sowieso und dort Herr Sowieso. Alle Plätze und Namen kennen wir, und es fällt uns auf, wenn einer unser ständigen Besucher fehlt. Die Glieder der Gemeinde wissen das. Darum sagen sie es dem Küster, wenn sie für ein paar Wochen Urlaub machen. Denn wenn kein Grund ihres Fehlens vorhanden ist, dann sagt der Küster dies dem Pfarrer und dieser sollte nach dem Rechten sehen. Doch die Gedanken verweilen nicht nur bei den Lebenden, sondern gehen auch zu den Verstorbenen. So mancher leerer Platz erinnert an sie. Wenn wir die heiligen Geräte reinigen, den Altar schmücken, Lieder stecken und dies in Ruhe ohne Hetze tun dürfen, dann merken wir die Last der Arbeit nicht, sondern die Arbeit wird zum Gottesdienst. Hier wurde mit Worten das ausgedrückt, was für den Dienst des Küster wichtig ist, nämlich die Liebe zu seiner Arbeit. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Atmosphäre im Gemeindehaus und in der Kirche. Aber das ist es nicht allein, denn der Küsterdienst ist ein geistliches Amt.
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