Der gestörte Seelenfrieden
der Küster

3. Voraussetzungen

Dabei meine ich nicht die äußeren Voraussetzungen wie Zeugnisse oder Berufsausbildung. Ich möchte mit ihnen über die innere Ausrichtung des Küster zu seinem Dienst nachdenken. Ich hatte bei der Beschreibung des Berufsbildes schon ein paar Stichworte genannt.
Zunächst möchte ich sie aber darauf aufmerksam machen, dass die Küster neben dem Pfarrer die einflußreichsten Personen in der Gemeinde sind.
Sie stehen im Blickpunkt der Gemeinde. Sie stehen am Eingang der Kirche und begrüßen die Gottesdienstbesucher und geben ihnen das Gesangbuch. Sie begrüßen und leiten Gemeindehausbesucher in ihre Räumen, sind Anlaufstelle für Fremde, die Auskunft haben wollen oder stellen Kontakte her, die das Bild bestimmen, das sich Gemeindeglieder von einer Kirchengemeinde machen. Sie sind häufig Zuhörer für Gemeindeglieder, hören Fragen und Kritik von Gruppen und Kreisen und stehen vermittelnd und informierend zwischen Gemeinde und Dienststellenleitung.
Durch den Ton unserer Stimme, der Haltung unseres Körpers, der Wahl unserer Worte geben wir Signale, die unsere eigene Lebenseinstellung widerspiegeln. Die Gemeinde hat ein feines Gespür dafür, ob jemand die Rolle des Christen nur spielt oder wirklich im Glauben lebt. Jeder möge selber prüfen, ob er ein Leben zur Ehre Gottes führt und der Verantwortung des Dienstes gerecht wird. Denn darüber trägt jeder persönliche Verantwortung vor Gott.
Die Arbeit als Küster, der Dienst in der Kirche darf nie zu einer Last werden. Das Küsteramt sollte ein Beruf aus Berufung sein. Dann wird der Lohn, die Freude am Dienen sein.
Das heißt jedoch nicht, dass unser Lohn das Dienen allein sein soll. So sind wir dankbar einen Arbeitsplatz zu haben, mit festen Gehalt und Arbeitsvertrag. Wir sind keine Idealisten, die gleichsam nur um „Gottes Lohn“ arbeiten. Sondern wir arbeiten auch, um uns und unsere Familie zu ernähren und unsere Existenz zu sichern. Wer aus dieser Sicht seinen Lohn als Gottes Lohn betrachtet, liegt dann auch in biblischer Betrachtungsweise richtig. Denn bei Luk. 10, 7 steht: „denn der Arbeiter ist seines Lohnes Wert.“
Es gibt auch keine vollkommene Küster, darüber sind wir uns alle im klaren, aber es sollte betende und lernende Küster geben. Ein Bibelwort bringt das, was den Küsterdienst prägt, besonders zum Ausdruck.
Matth. 23, 11: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“
Das Wort dienen hat keine besonders guten Klang. In unserem Sprachgebrauch ist der Diener derjenige, der für andere Arbeit erledigt. Diener sind darum unterprivilegiert, ihre Stellung hat etwas Minderwertiges. Diener müssen sich von anderen etwas sagen lassen. Auf keine Fall hat ein Diener selbst etwas zu sagen, zu bestimmen, oder irgend welche Befugnisse. Aber die Bibel stellt diese Ordnung auf den Kopf. „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“
Jesus selbst nannte sich Diener. Und so ist das höchste Amt der Kirche das Amt des Dieners. Der Pfarrer ist Diener der Kirche, der Diakon dient den Armen und Kranken. Der Küsterdienst ist in dieser Reihe gleichwertig und keineswegs unter geordnet. Dienst kommt von Dienen. Und so dienen alle Ämter der Kirche der Verkündigung der Botschaft Gottes.
Wie dient nun aber der Küster ganz konkret im Alltag?
Der Küster dient, indem er betet. Das heißt, er sollte im Gespräch mit Gott stehen. - Wo ist heute noch Platz für ein Gebet -. In unserer lauten Zeit haben wir es besonders nötig, die innere Ruhe zu finden, vor Gott stille zu werden und die leisen Töne zu hören, die wir nur mit unserem Herzen wahrnehmen können. Auch das Beten muß geübt werden. (Rüstzeiten)
Der Küster sollte die Bibel lesen. Denn wer die Bibel nicht kennt, der kennt seine Heimat nicht. Wer als Diener im Hause des Herrn mitwirkt Gottes Wort zu verkündigen, muß es auch kennen. Darum liegt ein besonderer Schwerpunkt des Küsterlehrgangs bei der Bibelkunde.
Er sollte Zeit und Geduld bei seinem Dienst haben. Denn das sind wichtige Tugenden eines Küsters. Wie oft werden gerade Küster von Gemeindegliedern ins Vertrauen gezogen. Küster dienen den Menschen, und der Umgang mit Menschen erfordert Zeit.
Der Küster sollte hören können. Dabei ist hören nicht immer eine Sache der Ohren sondern oft auch eine Sache des Herzens. Darum müssen wir auch nicht immer sofort auf alles eine Antwort haben. Oft genügt allein das zuhören.
Er sollte schweigen können. Das werden sie sicher auch bestätigen. Denn in vielen Gesprächen öffnen die Menschen intime Bereiche ihres Lebens. Dinge die ihre Seele belasteten, bis sie jemanden finden, dem sie es anvertrauen konnten. Dann ist man Mitwisser, man muß dann mit tragen, und darf das Gehörte nicht bei anderen weiter sagen.
Selber muß man in Gesprächen christlich sein. Denn auch Küster leben in der Anfechtung. Wir sind Menschen die in dieser Welt leben. So wie Gott Wirklichkeit ist, ist auch der Teufel, - die Versuchung - Wirklichkeit. Und wer der Meinung sein sollte, der Versuchung nicht zu erliegen, der ist ihr bereits unterlegen und in der Macht des Teufels. Denn die Sünde kommt erst ganz klein daher und hat sie sich erst eingenistet und die Phantasie und Gedanken beeinflusst, dann wird sie immer größer und größer bis sie den Menschen ganz in ihrer Gewalt hat.- Das ist nicht nur so gesagt oder geschrieben, sie ist lebendig die Versuchung des Teufels, das habe ich leider in meiner Kirchengemeinde und dort noch im engeren Mitarbeiterkreis feststellen und erleben müssen.-
Der Küster sollte die Menschen und die Welt kennen. Denn der Küsterdienst vollzieht sich nicht am unbekannten Objekt, sondern an konkreten Menschen, die geprägt und erfüllt sind von ihrer Umwelt, den Zeitströmungen und den verschiedensten Beziehungen in denen sie leben. Darum sollten wir uns auch mit den Problemen dieser Welt beschäftigen in der wir selber leben, damit wir den Zusammenhang zwischen der Welt und unserm Christsein nicht verlieren.
Und er muß Belastungen aushalten können. Sie wissen es ja selber, was stürmt im Küsterdienst nicht alles auf uns ein. Wir müssen uns nicht darüber Unterhalten was Stress ist. Stress im Wortsinn. Das muß ertragen werden. Wie kann man das? Wichtig ist zu unterscheiden was wichtig und unwichtig ist. Was sofort und was später erledigt werden kann. Das man Dinge auseinander hält und nicht alles durcheinander wirft. Dabei muß man sich zur Ruhe zwingen. Nur dann kann man Dinge richtig Beurteilen. Wo her soll denn die Ruhe kommen, die dazu nötig ist? Gott selbst schenkt sie uns! Wer Verbindung mit Gott hat, bevor alles über ihm zusammen bricht, wird auch in Streßsituationen die Gewissheit seiner Hilfe haben.
Als Überschrift über den Küsterdienst möchte ich einen Vers aus den Brief des Paulus an die Kolosser setzen:
Kol. 3, 23: „Tut euren Dienst mit gutem Willen als dem Herrn und nicht den Menschen.“
Dieser Vers spricht vom Dienst am Herrn. Der Gegensatz zum Dienst dürfte wohl, in beruflicher Hinsicht, der Job sein. Und Job bedeutet wohl nur soviel wie "Mittel zum Gelderwerb" oder "Existenssicherung". Das sind sicher wichtige Ziele, wenn man gut Leben will, oder eine Familie zu ernähren hat. Aber diese Ziele können doch nicht die letzten Bezugspunkte unseres Handelns und Werkens sein.
Und dieser Vers ist sicher auch keine Aufforderung, dass wir Menschen, mit denen wir zusammenleben, vernachlässigen oder außer acht lassen sollen.
Die Aufgabe für Christen liegt in einem zweifachen Dienst. Im Dienst für Gott und im Dienst für den Mitmenschen. Denn die Arbeit ist eben nicht nur das Mittel zum Gelderwerb und zur Sicherung des Lebensunterhaltes sondern ist Dienst für Jesus Christus. Denn mit unserer Arbeit sind wir füreinander da. Es gibt keine unter- oder übergeordnete Arbeit. Jede Arbeit, jede Aufgabe hat ihren Platz und ihren Wert. Sie ist Dienst für Christus, und Dienst am Reich Gottes.
Wenn Sie bis hierher gelesen haben, dann wird Ihnen sicherlich jetzt klar geworden sein, das ein Küster nicht ein Putzlappenschwinger und ein ungebildeter Hofkehrer ist und so ihm auch der nötige Respekt in seinem Dienst gebührt.
Darum kann und darf auch der Küsterdienst nicht als Job verrichtet werden sondern nur als Beruf von Berufung.
Nun, so möchte ich zum Schluss annehmen, hat es genügend Aufklärung über das Berufsbild des Küsters gegeben. Und darum dürfen wir unsere Arbeit nicht nur vor den Augen Gottes tun, sondern wir dürfen ihn auch um seinen Segen dazu bitten.

Berufsbild - Geschichte

Küster heute